Leons Schaller KV 50 Topteil

Alle Bilder zum großklicken!

Leons KV 50 Topteil
von vorne
Leons KV 50 Topteil hinten
von hinten

Ich muss meine Begeisterung für das Teil hier einfach mal Kund tun, und allen interessierten den KV 50 näher bringen. Auch wenn es sich als schwierig erweisen sollte einen KV 50 zu bekommen, freue ich mich natürlich sehr, jetzt einen dieser "Uralt-Amps" mein Eigen zu nennen.

Wie kam ich zum KV50

Nachdem eine gewisse Bank ;o) meinen Finanzierungsantrag für mein gewünschtes Half-Stack nicht übernehmen wollte (sollte auch weit über 3000,- EUR kosten), musste ich mich um eine Alternative kümmern.

Da kam mir als erstes eBay in den Sinn. Also ab zu eBay und mal Röhrenverstärker eingeben. Nach etwa 30 Minuten bin ich auf einen Uralten Head-Verstärker gestoßen, der mit einem Startgebot von 110,- EUR ins Rennen ging.

Das war der Schaller KV50!

Da der Verkäufer das Gerät mit einem Wert von etwa 650,- EUR angab, glaube ich auch nicht daran, Höchstbieter zu bleiben und vergas die Auktion fast schon wieder. Jetzt wird sich der aufmerksame Leser fragen, wieso der Amp. als Head angeboten wurde, wenn KV doch Kofferverstärker bedeuten soll!?!?!? Aber ich wusste damals auch nicht, was KV bedeutet und auch nicht, dass dieser nie als Head gebaut wurde. Doch dazu kommen wir gleich noch...... Es geschah nun das absolut unerwartete und ich gewann diesen Amp. für 110,- EUR bei eBay.

Kurz darauf bekam ich in Kontakt zu Matthias aka Forbi, der meine Auktion mit beobachtet hat und mich im Anschluss darauf hin per Email ansprach. Von ihm erführ ich nun, dass dieser Verstärker umgebaut war. Der damalige Besitzer hatte die Elektronik aus dem Koffer entfernt und in ein Headteil eines offensichtlich alten Fendergehäuses gebaut. So wurde aus dem Kofferverstärker ein Head, oder auch, Top-Verstärker. So war ich nun Besitzer des ersten Teil meines Half Stack. Natürlich brauchte ich jetzt noch eine Gitarrenbox und die Box war schneller besorgt, als mir lieb war ;o))) EBay machts möglich.

Ich beging den Fehler, mich erst im nachhinein über den KV50 per Internet zu informieren. Das war aber nicht weiter nachteilig, auch wenn die erste Info die ich bekam aussagte, dass Schaller Gitarrenverstärker für den schmalen Geldbeutel baute und auch schon bald diese Produktion wieder einstellte.

Über den KV50

Wie schon gesagt wurde der KV 50 früher für den Gitarristen mit schmalem Geldbeutel gebaut. Früher musste das aber nicht bedeuten, dass der KV50 ein schlechter Verstärker ist, was sich auch schnell bewies, als ich Saft auf das Teil gab.

Mein ersteigertes Schmuckstück ist aus dem Jahr 1967, hat 50 Watt Sinus und sogar schon ein paar eingebaute Effekte.

  • Tremolo
  • Hall
  • Echo

    Das Tremolo ist ziemlich fürn Ar***, da sich die Frequenz einfach nicht schnell genug einstellen lässt und für mich als Rockmusikfan daher einfach nicht eignet. Das sind eben auch die Punkte, bei denen man deutlich merkt, dass das Augenmerk nicht auf die Effekte gelegt wurde und deutlich macht, wieso Schaller diesen Amp. früher so günstig anbieten konnte.
    - - -Minus

    Der Hall im KV50 ist sauber und gut regelbar. Zudem sitzt da noch eine echte mechanische Hallfeder dahinter. Ich verwende diesen Effekt manchmal um dem Sound mehr Volumen zu geben. Gleichzeitig ist der Hall auch der brauchbarste und sinnvollste Effekt, auf den heute nur wenige Gitarristen verzichten können.
    + + + Plus (Leider funktioniert der Hall meines Schallers noch nicht, wird aber repariert...)

    Mit dem Echo verhält es sich ähnlich wie mit dem Tremolo. Die Echolaufzeit ist einfach nicht kurz genug einzustellen, vermatscht den Sound wenn man gern verzerrt spielt, und durch die Echoverdopplung überlagert sich alles, so dass ein vernünftig filigran gespieltes Solo bestens ohne Echo auskommt. Wer braucht schon Echo???
    - - - Minus

    Original ist der KV50 mit 2 x 25 Watt 12 Zoll (etwa 30 cm Durchmesser) Lautsprechern an je 8 Ohm bestückt. Leider komme ich ja nicht in diesen Genuss, da mein KV 50 als Top-Verstärker umgebaut wurde. Mich soll das aber nicht weiter stören, da ich bald begriff, wieso der Amp. als Top-Verstärker umgebaut wurde und mir ungeahnte Soundmöglichkeiten offen standen, als ich meine oben kurz erwähnte Laney Gitarrenbox anschloss. Dazu aber später im Praxistest......

    Der KV50 hat 3 Eingänge, so dass er als Gesangsverstärker, Bassgitarrenverstärker und als Gitarrenverstärker genutzt werden kann. Die Eingänge sind so konstruiert, dass man wahlweise Diodenstecker oder Klinkenstecker einstöpseln kann. Jeder Eingang hat seine elektronische Sektion und kann demnach getrennt geregelt werden (Klang und Lautstärke). Der Mastervolumenregler übernimmt dann die gesamte Lautstärkenregelung.

    Ich will hier daher auch gleich mal in den Praxistest übergehen....

    Praxistest

    50 Watt aus einem Röhrenverstärker sind nicht mit 50 Watt eines Transistorverstärkers zu vergleichen. Ein 50 Watt Transistor kann nur bedingt auf der Bühne mit dem Drummer mithalten.
    Anders die 50 Watt aus der Röhre des KV50!!!

    Als denn nun Box und Amp. bei mir zueinander gefunden haben. Konnte ich mich nicht lange beherrschen und musste 220 Volt in die Kiste fliessen lassen. Ui was ist das denn? Dünn und viel zu Höhenlastig der Sound! Der KV50 verfügt schon mal nicht über einen Zerrkanal, aber Clean ist das auch nicht was da aus dem Lautsprecher kommt.

    Da spiele ich nun schon seit 7 Jahren Gitarre und erhoffe mir einen fetten Röhrensound aus den Speakern ohne vorher die Regler einzustellen? Dafür konnte nur die Euphorie schuld sein, die mich ohne zu überlegen dazu verleihte einzuschalten und drauf los zu schruppen. Neeeneee, so geht das ja nicht.

    Da erinnerte ich mich meiner ollen Ratte, eine Tretmine von Proco (Vintageverzerrer aus den 80ern), die ich noch besaß und ja bekanntlich bestens für einen Röhrenverstärker Verwendung finden sollte. Nun schnell noch an den Reglern geschraubt und nun sollte es los gehen.

    Aber irgendwie war das immer noch nicht das was ich wollte. Also Ratte wieder raus und einen Freund angerufen, der ein Boss DS1 besitz. Der würde es mir bestimmt leihen. Als dieser durch das Telefongespräch erführ, dass nun der ominöse Schaller bei mir eingetroffen war, konnte er wohl seine Neugier nicht bändigen, schnappte sich das DS1 und machte sich sofort zu mir auf den Weg. Ungeduldig wartete ich auf ihn und riss ihm dann die Zerre auch sogleich aus der Hand und steckte sie zwischen Amp und Gitarre.

    Überwältigend was uns dann ins Ohr schallte.

    Ein Schalldruck, der mir das T-shirt flattern lies. Die Bosszerre erlaubt eine Einstellung in Lautstärke, Verzerrung und Filter, der je nach Drehrichtung die Höhen oder Tiefen herausfiltert.

    Ein Röhrenverstärker hat den Nachteil, dass er schon richtig aufgedreht werden muss um richtig gut zu klingen. Dabei ist ein drittel des möglichen schon das Minimum. Leiser kann sich der Sound einfach nicht entfalten. Mein Nachbar wird sich gefreut haben, als ich erst AC/DC Thunderstruck und dann gleich noch Highway to Hell hinterher pfefferte. (Den Tip mit AC/DC hab ich von Forbi)

    Eingefleischte Gitarristen werden mir nicht glauben wollen, dass über den Schaller KV50 und mit meiner Fender Stratocaster wunderbare AC/DC Sounds zu erzeugen sind. Dabei darf die Zerre aber nicht voll aufgedreht sein. Hier ist ebenfalls ein drittel des möglichen voll und ganz ausreichend. Ich habe dazu dann den Eingang "Gitarre" gewählt. Man sollte generell nicht vergessen, dass der KV50 ja schon ohne externe Zerre etwas verzerrt. Eine voll aufgedrehte Zerre macht dann den Sound zu matschig.

    Nun musste ich auch noch meine Les Paul anstecken, die mit 2 aktiven Humbuckern EMG 81 und 85 bestückt ist. OK, böser und um eine Oktave nach unten gestimmter 7-Saitersound a la Korn ist wirklich nicht drinn, aber Metalica alle mal. Dazu habe ich den Eingang "Bass" gewählt.

    Fazit

    Es werden sicher einige sagen, dass das Gerede um die ach so tollen Röhrenverstärker Quatsch ist. Aber diese haben mit Sicherheit noch nie einen gespielt. Ich habe selber die letzten Jahre über eine "Transe" gezupft und geschreddert, kannte den Sound der Röhre nur vom Hörensagen, CDs oder eben bei Livekonzerten. Aber ich schöre... wenn ihr eure Klampfe einmal an einem gut eingestellten und abgestimmten Röhrenverstärker angesteckt habt, diesen dann um etwa 1 Drittel aufdreht, wollt ihr die Verbindung nie wieder kappen.

    In diesem Sinne... schaut Euch mal nach einem KV50 um, auch wenn es schwer werden wird einen zu finden, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

    Rocking greets,

    Leon

    zur Schaller-Übersicht

    nach oben


    Stand: 9. Februar 2005 www.forbi.net